Ach Du Grüne Neune – Traditionelle Kräuter im Frühling

Im Frühjahr, meist um Ostern, ist die beste Zeit, um mit den Neun-Kräuter-Rezepten anzufangen. Ist es einige Tage warm genug (über 15°C) lohnt es nachzuschauen, ob die Pflanzen sich gut entwickelt haben. Wie immer beachten: nur sammeln, was man/frau kennt. Sorgsam mit den Pflanzen umgehen : nur die benötigte Menge, die richtigen Pflanzenteile schonend aus der Natur entnehmen. Einzeln stehende oder selten vorkommende Pflanzen nicht verwenden. Einige Kräuter bekommt man auch aus Bio-Anbau oder sind  als getrocknete Tee-Drogen erhältlich (Apotheke, Reformhaus, Kräuterläden)

Meine Rezepturen stammen aus verschiedenen Quellen. Sie sind zusammengetragen aus alten Kräuterbüchern, Sammlungen aus der Volksmedizin, der Kräuterheilkunde des Mittelalters und regionalen Rezepturen. Es wurde oft genutzt, was zu der entsprechenden Jahreszeit oder Gegend reichlich verfügbar war. Deshalb ist die „Neun“ symbolisch zu interpretieren und kann je nach vorhandenen Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Auch sieben oder acht Kräuter sind ok und hilfreich. Hier die nachfolgenden Kräuter, die oft erwähnt werden und von mir verwendet werden.

Kräuter zur frischen Verarbeitung:

Brennnessel, Schafgarbe, Gundelrebe, Vogelmiere, Wegerich, Scharbockskraut, Bärlauch, Giersch, Gänseblümchen, Löwenzahn, Sauerampfer, Rauke, Wildes Stiefmütterchen, Veilchen, Taubnessel, Rotklee, Lungenkraut, Hirtentäschelkraut

Aus dieser Auswahl neun Kräuter sammeln und putzen. Waschen ist meist unnötig – wenn ja, dann kurz mit kaltem Wasser überbrausen,gut trocken schleudern/tupfen. Die Kräuter hacken und frisch mit Leinöl oder Olivenöl essen. Auch gut auf Butterbrot, über Salate gestreut und in Quark / Yoghurt. Eine kleine Menge ist lecker in Smoothies. Auch ein Tee lässt sich mit frischen Kräutern gut zubereiten: Einfach eine Handvoll Pflanzen in ein Gefäß geben, mit heißem, nicht kochendem Wasser übergießen und nach 5 Minuten abseihen. Warm trinken.

Ersetzen lässt sich das eine oder andere Wildkraut mit gezogenen Kräutern aus Bio-Anbau oder den traditionellen Küchenkräutern aus Garten oder von der Fensterbank: Petersilie, Schnittlauch, Basilikum, Dill, Thymianblättchen, Salbeiblättchen, Melisse, Minze, Kerbel, Pimpinelle, Estragon

Gründonnerstag – Suppe

Wird noch heute traditionell aus neun Wildkräutern ( siehe oben) vor Ostern zubereitet. Man nimmt das, was reichlich in der Natur vorhanden ist. Darüber hinaus sollte man das ganze Jahr frische Kräuter nach Saison in Suppen, Salaten oder gehackt aufs Brot zu sich nehmen

Rezept für 2-3 Personen:

Neun Kräutersorten auswählen, putzen und fein hacken, 1-2 EL Butter im Topf schmelzen, 2 EL gemahlene Hirse oder Dinkelgrieß dazu geben und alles hellgelb anschwitzen. Soviel Gemüsebrühe aufgießen, dass eine sämige Suppe entsteht. Mit etwas Zitronensaft abschmecken, vom Feuer nehmen und in Suppenschalen füllen Pro Portion 1-2 EL gehackte Kräuter auf die Suppe geben.

Italienische Grüne Sauce

wird gern gereicht zu kalten Kalbfleisch, Huhn und Zunge

Etwa zwei bis drei Handvoll Kräuter, davon ca 50% Petersilie und die anderen 50% in wechselnden Anteilen: Estragon, Dill, Liebstöckel, Rosmarien, Schnittlauch, Kerbel, Rauke, Minze werden gehackt und vermischt mit einer sehr kleinen gehackten Zwiebel, 25 gr gewässerten, zerdrückten Kapern und 2-3 fein gehackten Sardellen. 2 EL Zitronensaft unterrühren, anschließend mit dem Mixer fein pürieren und allmählich soviel Olivenöl in einem feinen Strahl zulaufen lassen, bis eine geschmeidige Sauce entsteht. Sofort servieren. Die angegebene Menge reicht für 2-3 Portionen.

Neun – Kräuter – Tinktur (Aquavit nach Paracelsus)

verdauungsfördernd, schlafverbessernd, erwärmend und vitalisierend im Alter.

Dosierung für die Gesundheit: täglich 1 Esslöffel Aquavit in warmem Wasser vorm Schlafengehen einnehmen. Im Frühjahr und im Herbst 2-3 Wochen pausieren. In dieser Zeit empfehle ich einen passenden Ausleitungstee.

18 gr Angelikawurzel getrocknet

9 gr Meisterwurzwurzel getrocknet

9 gr Johanniskraut frisch oder getrocknet

3-4 gr Tausendgüldenkraut oder Wermutblätter frisch oder getrocknet

9 gr Anisfrüchte oder Fenchelfrüchte zerstoßen

9 gr Kardamomfrüchte zerstoßen

9 gr Kümmelfrüchte zerstoßen

9 Gewürznelken

9 Wacholderbeeren

Die gemischen Zutaten werden mit 38-40 % Alkohol (z.B. Doppelweizenkorn, Gin, Wodka) in einem hellen Glas angesetzt und 9 Tage in die Sonne gestellt. Der Alkohol sollte die Kräuter gut bedecken. Täglich mehrmals schütteln, danach den Ansatz für drei Monate kühl und dunkel stellen. Dann die Tinktur abseihen und die Kräuter separat gut ausdrücken. Die beiden Flüssigkeiten mischen, in eine dunkle Flasche füllen, gut verschließen und weiterhin dunkel und kühl aufbewahren.

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